Der Juli ist der wärmste Monat des Jahres. Er wird auch Heumonat genannt, da im Juli die Heumahd eingebracht wird. Das Heu war früher eine wichtige Existenzgrundlage für alle Nutztierhalter in Kirdorf und Umgebung, weil sie damit im Winter ihr Vieh fütterten. Vor der eigentlichen Ernte stand erst eine andere Arbeit an: Die Sense musste "gedengelt", das heißt auf einem Amboss ausgeschlagen und geschärft, werden.
Die Heuernte war früher eine schweißtreibende Handarbeit, bei der die ganze Familie mithelfen musste. Wenn es das Wetter zuließ wurde nach dem Johannestag (24. Juni) mit der Heuernte begonnen - vorausgesetzt, dass die Wetterprognose mehrere Tage trockenes, warmes Wetter versprach, denn Regen mindert die Heuqualität. Die Landwirte zogen – mit der Sense auf dem Rücken und dem hölzernen Wetzfass mit Wetzstein am Schürzenbändel - schon zeitig in der Frühe auf die noch feuchten Wiesen zum Mähen. Bei größeren Wiesen unterstützten sich mehrere Landwirte gegenseitig. Die Mäher schritten etwas versetzt einer hinter dem anderen. Für alle war es eine anstrengende Arbeit, aber für die jungen Leute, die noch wenig Erfahrung im Mähen hatten, war das eine große "Schinderei“, weil der beste Mäher das Tempo bestimmte und die anderen sich nach ihm richten mussten. Es galt sogar als Schande, von einem anderen Mäher überholt zu werden. Zwischendrin mussten immer wieder die Sensen gewetzt werden, damit sie wieder scharf wurden und gut mähten.

Drei Generationen bei der Heuernte, 1963
Das gemähte Gras wurde mehrmals mit einem Holzrechen gewendet, damit es locker auf der Wiese lag und über mehrere Tage gut trocknen konnte. Heuwenden war anstrengende Kinder- und Frauensache – oft bei Gluthitze. Überall roch es dann nach frischem Heu, dessen Staub oft Nase, Augen und Haut reizt. Je länger die Lufttrocknung bei günstiger Witterung auf der Wiese war, umso höher war letztendlich die Heuqualität. Das trockene Heu wurde auf Reihen gerecht, die „Riefen“ genannt wurden, bevor die Bauern mit Ochsen, Pferden oder später Traktoren die Leiterwagen auf die Wiese brachten. Beim Beladen stand ein erfahrener Helfer auf dem Wagen und legte die ihm „zugespiessten“ Heuhaufen "fachgerecht“ hin. Frauen und Kinder mussten die Wiese nachrechen – kein Fitzelchen Heu sollte zurückgelassen werden. Es gehörte viel Erfahrung dazu, die Heuwagen so zu beladen, dass das Heu bei der Heimfahrt nicht herunterfiel. Auf der hochbeladenen Fuhre wurde das Heu mit Seilen gesichert, die von hinten nach vorne festgezogen wurden. Zum Schluss wurden die Fuhren rundherum sauber „abgerecht“, denn es war der ganze Stolz der Landwirte, „eine schöne Ladung Heu“ nach Hause zu fahren.
Heu-Heimfuhr in der Hauptstraße, um 1942
Heuwagen, um 1942
Sobald die Heufuhren in der Scheune angekommen waren mussten sie abladen werden – erneut eine kraftfordernde Gabelarbeit. Dann mussten die Frauen und Kinder das Heu auf dem Heuboden festtreten, also verdichten. Dabei hörte man oft laute Schreie, denn sie wurden oft von den vielen, fetten Spinnen erschreckt, die unter dem Scheunendach lebten. Das Herumtrampeln auf dem warmen Heu in der Scheune bei großer Hitze war natürlich mühevoll – eine unbeliebte und schweißtreibende Tätigkeit.
Erschwerend war es, wenn die Heuarbeiten von einem herannahenden Gewitter gestört wurden. Der oft einsetzende mächtige Wind behinderte die Ladearbeiten, und der nachfolgende Regen machte die ganze vorherige Arbeit zunichte. Die Heuernte brachte für die Nutztierhalter von einst insgesamt viel Stress mit sich. Der Spruch verdeutlicht dies: "Wer in der Heuernte nicht gabelt, in der Getreideernte nicht zappelt und nicht früh genug aufsteht, der kann schau`n, wie`s ihm im Winter geht“.
Die in den sechziger Jahren einsetzende Mechanisierung erleichterte und rationalisierte den Einsatz menschlicher Arbeitskraft bei der Heuarbeit immer mehr. Heute sind es vorwiegend auswärtige Bauern, die im „Kirdorfer Feld“ mit leistungsstarken Geräten Heu machen. Und die Arbeit ist heute längst nicht mehr so schweißtreibend wie damals, denn die Bauern sitzen alleine in den klimatisierten Fahrerkabinen ihrer modernen Traktoren.







